Kompaktkur: Alter Wein in neuen Schläuchen!?
Berlin (11.11.2009). Wenn alles drunter und drüber geht – könnte man es Kompaktkur nennen. Während im DMWV immer wieder und manchmal lebhaft darüber diskutiert wird, was eigentlich „alter Wein in neuen Schläuchen“ ist und was nicht, sind andere Verbände viel „weiter“: Bei der gemeinsamen Pressekonferenz der Interessengemeinschaft Kompaktkuren und des Deutschen Heilbäderverbandes wurde die fünfte Jahreszeit mit recht altem Wein eingeläutet: Der Wiederbelebung, der vor Jahrzehnten als Notlösung für den ambulanten Kurbereich entwickelten dreiwöchigen Kompaktkur in Kleingruppen als Lösungsvorschlag für allfällige Gesundheitsprobleme.
Doch die Platzierung eines ambulanten – therapeutisch konzipierten – Kurangebotes im Sektor „Prävention“ des Zweiten Gesundheitsmarktes stößt sauer auf, denn es handelt sich im besten Fall um Sekundärprävention bei Patienten mit Herzkreislauferkrankungen, Osteoporose und vielen anderen medizinischen Indikationen. Was ist es denn nun: Therapie, Prävention, Gesundheitspflege? Der Hinweis der Verbandsoberen, dass ohne zusätzliche Bezeichnung der im Kern therapeutischen Maßnahmen als „Prävention“ keine Kostenbeteiligung der Kassen zustande gekommen wäre, zeigt den eigentlichen Impetus der Kompaktkur: Nämlich freie stationäre Kapazitäten der beteiligten knapp 20 Heilbäder zu füllen (womit der ursprüngliche Impetus auf den Kopf gestellt wird: Seinerzeit sollten bestimmte Patienten am unorganisiert überfüllten stationären Kurbetrieb vorbei (was für Zeiten!!!) in den Genuss wohltätiger Kurmaßnahmen kommen).
Der Nutzen der für die Kunden bis zu 2.000 Euro teuren dreiwöchigen Kompaktkur ist wissenschaftlich übrigens nicht belegt. Bislang wurde lediglich mit Fragebögen die Kundenzufriedenheit/Lebensqualität und die Fehlzeiten am Arbeitsplatz abgefragt (beides natürlich positiv). Studien zu Auswirkungen auf den Krankheitsverlauf, wie sie bei therapeutischen Verfahren eigentlich Standard sind, gibt es hingegen nicht.
Insgesamt bleibt ein schaler Geschmack: Die Kur klassischen Zuschnitts war gerade durch ein großzügiges Zeitangebot oder durch besondere Freiheiten im Kuralltag gekennzeichnet, mit entsprechenden heilsamen Auswirkungen auf Körper, Seele und Geist. Die Hektik mit der jetzt sämtliche Maßnahmen des teuren Dreiwochenprogramms der Kompaktkur absolviert werden, einschließlich des inhärenten Zwangs „wieder gesund werden zu müssen“, ist zwar im Stil der Zeit, hat aber mit den Idealen der Kur- und Bademedizin kaum noch etwas zu tun.
Bericht: Pressekonferenz der Interessengemeinschaft Kompaktkuren e. V. und des Deutschen Heilbäderverbandes e. V.: „Die Kompaktur – ‚Komfortabel wieder Kondition gewinnen!“. Berlin, 11.11.2009.
Weitere Infos: → Kompaktkur.de
→ Ist Medical Wellness nichts anderes als die gute, alte Kur in anderer Marketinghülle?
Rainer H. Bubenzer (bb)
Pressesprecher Deutscher Medical Wellness Verband e. V.
Berlin, 12. November 2009.