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Medical Wellness: Die Grundlagen der Gesundheit

Berlin (bb). Prävention soll die Probleme des Gesundheitssystems lösen helfen, finden Gesundheitsminister Rösler und andere Experten. Vielleicht so: „Gesundheit ist eine Voraussetzung für Wirtschaftskraft, Innovationsfähigkeit, Leistungsfähigkeit des Gemeinwesens“ …? Das Zitat stammt aus der Präambel des jüngst gescheiterten Präventionsgesetz-Entwurfes. Nachdem Ärzte politikbedingt nachhaltig zu Bürokraten mutieren mussten, die immer weniger Zeit für kranke Patienten haben, könnten sie durch entsprechende Präventionsaufgaben wenigstens zu „Volksgesundheitswarten“ werden, denen die Sanierung des Wirtschaftsstandortes Deutschland obliegt.

Gesundheit = Abwesenheit von Krankheit?

Gesundheit ist nicht allein definierbar als „Abwesenheit von Krankheit“, wie Millionen Menschen mit chronischen Erkrankungen zeigen, die trotzdem ein erfülltes Leben leben. Auch bloßes Anhäufen technischer Medizin-Dienstleistungen führt nicht automatisch zu Gesundheit. Viele Untersuchungen zeigen, dass die Bedeutung der Schulmedizin für Lebensqualität und steigende Lebenserwartung in den letzten Jahren kontinuierlich abgenommen hat (Ausnahmen sind zum Beispiel einige onkologische Indikationen). Andere Einflüsse wurden seither viel bedeutsamer – zum Beispiel die Qualität der Arbeit oder der Ernährung. Hier setzt das Gesundheitskonzept von Medical Wellness an: Es beschreibt, wie jenseits einer bloßen Reparaturmedizin, jenseits einer reduzierten Sichtweise auf den Menschen als bloße biochemische Maschinerie oder als „Arbeitskraft am Standort Deutschland“ das Individuum Mensch zu seiner persönlichen Gesundheit finden kann.

Die „Big Brother“ mancher Kassen melden sich ja jetzt schon bei ihren „Risiko“-Versicherten, um auf vorbeugende Maßnahmen aufmerksam zu machen. Begleitet von Medienkampagnen, die der wohl teuersten Krankheit überhaupt – Diabetes mellitus Typ 2 – eine komplette Primärpräventabilität in bis zu 90 % aller Fälle bescheinigen. Ausgestellt von gut meinenden Wissenschaftlern. Wohin Big-Brother-Medizin gehen könnte, zeigt aktuell die Fettweg-Show „The biggest Loser“. Hier wird die Würde des Individuums in seiner persönlichen Not auf dem Altar von Voyeurismus und zwielichtiger Präventions-Ideologie geopfert.

Medical Wellness sieht hingegen menschliches Leben nicht als endlose Anhäufung von Risikofaktoren, deren Vermeidung ewig währende Gesundheit garantiert wie die zentrale, aber nie bewiesene Präventions-Botschaft der Gesundheitsapostel aus Schulmedizin und Alternativmedizin gleichermaßen lautet. Nein, nach den Konzepten von Medical Wellness sollten alle Menschen – ob krank oder gesund, ob jung oder alt, ob reich oder arm – in die Lage versetzt werden, etwas für sich zu tun, für ihre Gesundheit, ihr Wohlbefinden, ihre Fähigkeiten, mit durch Krankheit oder Behinderung gegebenen Begrenzungen besser umzugehen (Empowerment).

Wer sollte sich Medical Wellness gönnen?

Alle Menschen können sich Medical Wellness-Angebote jenseits des ersten Gesundheitsmarktes gönnen. Und sie tun es auch, wenn man Marktforschungsergebnissen Glauben schenken darf (Kartte, Neumann, 2007). Allerdings: Der DMWV empfindet sinnvolle Medical-Wellness-Angebote nicht als Grundverpflichtung für die Menschen („Pflicht zur Gesundheit“), sondern als Angebote in Freiheit („Lust auf Leben“). Unsere Kunden „sollen“ sich also nichts gönnen „müssen“. Sondern sie können nach ihren Wünschen und Bedürfnissen frei auswählen. Für manch einen „überaktiven“ Mitmenschen könnte ein sinnvolles Medical-Wellness-Angebot sogar aus Verzicht auf alles Handeln und Tun, auf jegliche Aktivität bestehen.

Produkte oder Dienstleistungen, die hierbei helfen, finden sich derzeit vor allem im Zweiten Gesundheitsmarkt. Und nicht zuletzt bei Anbietern, die bislang nicht am ersten Gesundheitsmarkt teilgenommen haben, wie zum Beispiel die auf Medical Wellness spezialisierte Hotellerie. Die Aufgaben einer Dachorganisation wie dem Deutschen Medical Wellness Verband (DMWV) sind angesichts der tief greifenden Änderungen im Gesundheitswesen vielfältig. Sehr wichtig ist nach unserer Auffassung, mit einer qualitätsbasierten Zertifizierung von Produkten und Dienstleistungen der allgegenwärtigen Scharlatanerie im Gesundheitswesen entgegenzutreten (die Zertifizierung erfolgt in Zusammenarbeit mit dem TÜV Rheinland). Genauso wichtig ist es, die Konturen der Ideen hinter Medical Wellness zu schärfen. Das erscheint einfach, wenn man den Finger in die Wunden der anderen legt. Es ist jedoch eine große Aufgabe, wenn man die kollektive Aufgabe betrachtet, die unserer Gesellschaft bevorsteht: nämlich die Grundlage für ein neues Gesundheitswesen zu schaffen, das finanzierbar den gesundheitlichen Bedarf der Menschen deckt (was nicht gleichbedeutend ist mit Gewinnmaximierung bei den beteiligten Dienstleistern und Unternehmen).

Können Dienstleister und Unternehmen aus dem ersten Gesundheitsmarkt Medical Wellness anbieten?

Ja und nein! Wird der manchmal nur kleine, aber essenzielle Unterschied zwischen medizinischer Diagnose und Therapie einerseits und Medical Wellness andererseits nicht verstanden, gelingt dies nicht. Medical-Wellness-Angebote sollten im Sinne von Aaron Antonovsky eher salutogenetisch sein, also die Lebensfreude stimulieren oder zu einem ganzheitlichen Empowerment der Kunden beitragen (also nachhaltig auch den nachfolgenden Alltag positiv verändern). Medical Wellness ist vom Kern her also keine Therapie- oder Rehabilitations-Schule für Kranke, keine Sammlung von „Reparaturmaßnahmen“, sondern macht Kunden Angebote für ein selbstbestimmtes, gesünderes und erfüllteres Leben. Wir finden es gut, dass viele Health Professionals die moderne Medizin kritisch betrachten, Fehlentwicklungen erkennen oder auf Probleme hinweisen. Die Konsequenz hieraus sollte aber sein, dass sie mithelfen, dieses System zu reformieren. Dies muss jedoch konsequenter erfolgen, als zum Beispiel Medizinern einfach eine „lächelnd-liebevolle“ Maske überstreifen zu wollen, wie Prof. Dietrich Grönemeyer vorschlägt („Medizin mit menschlichem Gesicht“). Denn: Medical Wellness ist keine Alternative zum Gesundheitssystem, sondern steht im eigentlichen Sinne komplementär, also ergänzend dazu.

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von:
Management & Krankenhaus

Rainer H. Bubenzer (bb)
Pressesprecher Deutscher Medical Wellness Verband e. V.
Berlin, Dezember 2010.

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